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Dauer und Aufbau
Die dreijährige Ausbildung
wird seit 1994 bundesweit einheitlich an staatlich anerkannten Berufsfachschulen durchgeführt. Sie gliedert
sich in einen theoretischen und praktischen Unterricht sowie in fachpraktische Ausbildungsabschnitte. Letztere
finden prinzipiell in Krankenhäusern, Fachkliniken oder Reha-Einrichtungen statt, sind von unterschiedlicher
Länge und fest in den Klinikbetrieb eingebunden. Das Bestreben in der Ausbildung zielt darauf ab, klinische und
schulische Ausbildung weitestmöglich zu integrieren. Eine Sicherung der Qualitätsanforderungen durch staatliche
Aufsichtsbehörden existiert jedoch lediglich in einigen Bundesländern. Eine staatliche Prüfung, bestehend aus
einem schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil, bildet den Berusabschluss und bei Bestehen die
Berechtigung die Berufsbezeichnung Physiotherapeut/in zu tragen. Ein zusätzlicher Abschluss als
Gymnastiklehrer/in kann in kombinierten Ausbildungen erworben werden; diese dauern zwischen 3 ½ und
4 ½ Jahren.
Zugangsvoraussetzungen
Zugangsvoraussetzung ist zunächst die Vollendung des 17. Lebensjahres
und die gesundheitliche Eignung zur Ausübung des Berufs. Des weiteren wird in der
Regel der Realschul- oder ein vergleichbarer Abschluss verlangt oder
eine andere abgeschlossene zehnjährige Schulbildung, die den
Hauptschulabschluss erweitert oder der Hauptschulabschluss plus einer
mindestens zweijährigen einschlägigen Berufsausbildung.
Finanzielle Belastung
Eine Ausbildungsvergütung wird nicht gezahlt, jedoch besteht unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit
einer Förderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG). Folgende Ausgaben fallen an:
- An öffentlichen Schulen ist die Ausbildung für die Schüler/innen kostenfrei. Es können jedoch Anmelde-
und Prüfungsgebühren sowie Kosten für Eignungsprüfungen, Berufsunfall- und Haftpflichtversicherung anfallen.
Zusätzlich entstehen Lernmittelkosten - beispielsweise für Fachliteratur und Arbeitsmaterialien - sowie
Fahrtkosten und ggf. Kosten für auswärtige Unterbringung. Für den praktischen Teil Ausbildung wird
Berufskleidung benötigt.
- Staatlich anerkannte Privatschulen erheben in der Regel Lehrgangsgebühren.
Die Rahmenbedingungen kurz zusammengefasst:
- Ausbildungsdauer: 3 Jahre
einschließlich integrierter praktischer Ausbildung.
- Voraussetzung: Mittlerer
Bildungsabschluss, Aufnahmeprüfungen. Mindestalter 17 Jahre.
- Ausbildungsorte: Über 250 staatliche
oder staatlich anerkannte Lehranstalten,
Schulen usw. für Physiotherapie bzw. klinische Ausbildungseinrichtungen.
- Bewerbung: Unterschiedliche
Anmeldetermine bei den Lehranstalten.
- Kosten: Unterschiedliche Höhe der anfallenden Ausgaben je nach Ausbildung an
öffentlichen oder staatliche anerkannten Privatschulen.
Inhalte und Ablauf
der Ausbildung
Die praktische und
theoretische Ausbildung beinhaltet:
- Aufbau des Bewegungsapparats eines
Menschen, z. B. Wirbelsäule, Rückenmuskeln,
Brustkorb, Zwerchfell, Ellenbogengelenk, Bau und Funktion von
Hüftgelenk
- Aufbau des Blutes, der Kreislauforgane,
des Nerven- und Lymphsystems
- Funktion des Zentralnervensystems
- Aufbau der Skelettmuskulatur
- Hygienegrundlagen
- Arten von Krankheitserregern
(Bakterien, Viren, Pilze, tierische Parasiten)
- Arten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Atmungsorgane
oder der Niere sowie Stoffwechselerkrankungen
- Ursachen von Erkrankungen der
Wirbelsäule oder der Extremitäten (z. B.
Knieinnenverletzungen, Fußfehlhaltungen)
- Analyse und Bewertung von Körperstellungen und
Ausgangspositionen und Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Bewegung und Persönlichkeit,
- Grundlagen der
Elektro-, Licht-, Wärme-, Kälte- und Hydrotherapie sowie
Grundbegriffe der Strahlenheilkunde
- psychologische und
pädagogische Aspekte im Umgang mit Kranken
- Anwendung und Methodik der Techniken der
Krankengymnastik auf allen Gebieten der Medizin, in denen
Bewegungstherapie erforderlich ist
- Art und Weise der krankengymnastischen
Behandlungen im Wasser oder im Schlingengerät oder
Vermittlung der Techniken der Atemtherapie
- Anleitung zu Entlastungs-,
Entspannungs- oder Mobilitätsübungen
- Entwurf von Selbstübungsprogrammen
- Wesentliches bei der Ausführung
einer Bindegewebsmassage
Ausgebildet wird vornehmlich in
Fächern wie
- physiotherapeutische Befund- und
Untersuchungstechniken
- krankengymnastische
Behandlungstechniken (z. B. Manuelle Therapie, Gangschulung,
neurophysiologische Behandlungsverfahren, Funktionsanalyse)
- Massagetherapie
- Hydro-, Balneo-, Thermo- und
Inhalationstherapie
- Elektro-, Licht-,
Strahlentherapie
- Prävention und Rehabilitation
- Bewegungserziehung
- Bewegungs-, Trainingslehre.
Außerdem wird in medizinischen
Grundlagenfächern wie
- Anatomie
- Physiologie
- Krankheitslehre
- Erste Hilfe und Verbandtechnik
sowie in
- Psychologie/Pädagogik/Soziologie
- Angewandter Physik und
Biomechanik und Hygiene
unterrichtet, ebenso wie allgemein in
Berufs-, Staatsbürger- und
Gesetzeskunde. Klinische Praktika in
der
- Orthopädie
- Chirurgie (einschließlich
Unfallheilkunde)
- Pädiatrie
- Inneren Medizin
- Neurologie
- Psychiatrie
- Gynäkologie
sind in die Ausbildung integriert.
Außer der üblichen Ausbildung zum
Physiotherapeuten gibt es die kombinierte Ausbildung zum
Physiotherapeuten und Gymnastiklehrer (nur an wenigen
Ausbildungseinrichtungen). Der Weg in diesen Beruf (Physiotherapeut)
ist auch über eine Ausbildung zum Masseur und medizinischen
Bademeister und verkürzte Physiotherapie-Ausbildung für Masseure
und medizinische Bademeister möglich. In Stuttgart kann man sich
auch in einer kombinierten Ausbildung zum Physiotherapeuten und
Gymnastiklehrer qualifizieren (Dauer 9 Semester).
Stärker bewegungserzieherisch als
therapeutisch ausgerichtet ist die inzwischen auch grundständig
mögliche Ausbildung zum Motopäden.
Die Ausbildung wird mit einer
staatlichen Prüfung abschlossen.
Einige Fachhochschulen bieten in Zusammenarbeit mit Berufsfachschulen an, zusätzlich zum staatlich
anerkannten PT-Abschluss einen akademischen Grad in einem berufsbegleitenden Bachelor-Studium zu erwerben.
In der Regel dauert die Gesamtausbildung vier Jahre. Weitere Informationen siehe unter
Weiterführende Studiengänge.
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