Sektoraler Heilpraktiker für Osteopathie kommt nicht 16

Verwaltungsgericht Aachen erteilt Klage eines Physiotherapeuten eine Absage

23.04.2016

Im August 2009 traf das Bundesverwaltungsgericht eine für Physiotherapeuten historische Entscheidung. Es ebnete den Weg für den sektoralen Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Physiotherapie und eröffnete somit Physiotherapeuten einen rechtssicheren Weg, auch ohne ärztliche Verordnung zu arbeiten.
Seitdem erfreut sich dieser sektorale Heilpraktiker unter den Vertretern unserer Zunft einer wachsenden Beliebtheit.

'Was der Physiotherapie billig, kann der Osteopathie nur recht und teuer sein!' dachte sich wahrscheinlich ein Physiotherapeut, der bereits einen Bachelor "Manuelle Medizin und Osteopathie" erworben hatte. Er klagte vor dem Verwaltungsgericht Aachen - in Anlehnung an die damalige Argumentation beim Erstreiten des Heilpraktikers für Physiotherapie - auf die Erteilung einer beschränkten Heilpraktikererlaubnis für das Gebiet der Osteopathie.

Diese Klage wurde von den Richtern abgelehnt.

Wie das Gericht in seinem Urteil vom 3. März diesen Jahres (AZ 5 K 1114/14) ausführt, sei für die Ablehnung unter anderem ausschlaggebend, dass es sich bei der Osteopathie (im Gegensatz zur Physiotherapie) um ein "nicht hinreichend ausdifferenziertes und abgrenzbares" Gebiet handele. Es fehle an "verbindlichen staatlichen Ausbildungs- und Tätigkeitsbestimmungen". Ferner ist das Gericht der Meinung, dass für die eigenverantwortliche Ausübung der Osteopathie der "große Heilpraktiker" erforderlich sei.

Ein Umstand den die beiden größten Berufsverbände der Osteopathen nicht länger hinnehmen wollen. Führt er doch dazu, dass sich ein Osteopath "Heilpraktiker" nennen muss und die Bezeichnung "Osteopath" nach dem Heilmittelwerbegesetz unzulässig ist. Unzulässig deshalb, weil die Bezeichnung irreführend ist, da es diesen Beruf rechtlich gesehen gar nicht gibt. Sie fordern daher vom Gesetzgeber ein Berufsgesetz für Osteopathen, welches dann bundesweit verbindlich wäre.

Welche Aussicht auf Erfolg diese Forderung haben wird, bleibt abzuwarten. Zumindest konnten sie ihr Anliegen bei einer Expertenanhörung Mitte des Monats vor Mitgliedern der AG Gesundheit der Fraktionen der CDU/CSU und SPD im Bundestag zu Gehör bringen.

Das Urteil selbst finden Sie in unserer Infothek in der Rubrik Urteile unter dem Schlagwort Heilpraktiker konkret hier.

Friedrich Merz / physio.de


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