Neue Rechtsverordnung des Gesundheitsministeriums gibt den Bundesländern Freiräume 0

Ein Blick in den Alltag während der Corona-Krise.

29.06.2020

Der Alltag in den Ausbildungen aller Heilberufe ist derzeit weit entfernt von Normalität. Hygienemaßnahmen, Distanzregelungen, Schließung von Einrichtungen mit Praktikantenplätzen… all das ist derzeit für jede Schul- und Ausbildungsleitung täglich Brot, und stellt eine nie dagewesene Herausforderung dar.

Deshalb hat Gesundheitsminister Jens Spahn nun rückwirkend zum 23. Mai 2020 eine „Rechtsverordnung zur Sicherung der Ausbildung in den Gesundheitsfachberufen “ erlassen. Sie gibt den Bundesländern den nötigen Freiraum, auf die aktuellen Probleme im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie reagieren zu können.

Eine der gravierendsten Maßnahmen der Schulen könnte nun sein, die Ausbildungsdauer um bis zu sechs Monate zu verlängern. Je nach Bundesland führt dies zu sehr unterschiedlichen Folgen, z.B. in Bezug auf das Schulgeld. Wir werfen im Folgenden einen konkreten Blick in einige Länder.

Die Schulen bekommen außerdem die Möglichkeit, Unterrichtsinhalte digital zu vermitteln. Sollte dieses auch im Zusammenhang mit Prüfungsvorbereitungen erfolgt sein, könnten selbst praktische Prüfungen mit digitaler Unterstützung durchgeführt werden. Sollten nämlich für diese praktischen Prüfungen keine Probanden zur Verfügung stehen, darf hier an (Computer-)Modellen oder Simulationspersonen geprüft werden.

Zusätzlich kann eine Schule den Prüfungsausschuss auf drei Personen reduzieren. Die ordnungsgemäße Überprüfung des Ausbildungsziels muss dabei sichergestellt sein. Die prüfende Behörde teilt den Ausschussmitgliedern in diesem Fall ihre Rollen zu. Anleitungen im Rahmen eines Praktikums dürfen vorübergehend auch von Personen übernommen werden, die zwar eine berufspädagogische Zusatzqualifikation nachweislich erst begonnen, aber erst bis zum 30. Juni 2021 abgeschlossen haben werden.

Die Rechtsverordnung verliert ihre Wirkung ein Jahr nach dem Ende „der epidemischen Lage von nationaler Tragweite“, spätestens jedoch mit dem 31. März 2022.

Und nun ein kurzer Blick in einige Bundesländer. Wir haben stichprobenartig in Schulen mehrerer Bundesländer nachgefragt und erheben aufgrund fehlender Rückläufer keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

Hamburg
In der Hansestadt Hamburg wird auch an den Berufsfachschulen digital unterrichtet. Die im März aufgrund des beginnenden Lockdowns unterbrochenen Praktika wurden größtenteils noch nicht fortgesetzt. Nach den Sommerferien hofft man wieder relativ regulär in den gewohnten Ausbildungsstrukturen weitermachen zu können. Von Seiten der Hamburger Behörden gibt es keine flächendeckende Auseinandersetzung mit einer Verlängerung der Ausbildung. Auch die anstehenden Examina sollen nach Möglichkeit normal durchgeführt zu werden. Hier sind Einzelfallentscheidungen möglich.

Niedersachsen
Niedersachsen hatte bereits sehr frühzeitig beschlossen, ggf. die Ausbildungsdauer zu verlängern. Es gab bereits im März die Zusage des Landes, dass das Schulgeld für die seit August 2019 begonnenen Kurse im Falle einer Ausbildungsverlängerung auch weiter finanziert wird. Allerdings geht man beim Verband Deutscher Privatschulen Niedersachsen/Bremen e.V. (VDP) davon aus, daß die möglichen weiteren Maßnahmen (Härtefallregelungen bez. Fehlzeiten usw.) ausreichen werden, um die aktuellen Examina in der Regelzeit durchführen zu können. Probleme zeichnen sich lediglich im zweiten Ausbildungsjahr ab, da hier viel Unterrichtsausfall zu verzeichnen war. Wie hiermit umgegangen wird bleibt abzuwarten. Die Fachpraktika laufen nach Aussage des VDP wieder weitgehend normal.

Nordrhein-Westfalen
Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen findet teilweise schon wieder Präsenzunterricht statt. Vor allem Examenskurse dürfen in unausweichlichen Fällen wieder in den Schulen abgehalten werden, dasselbe gilt für unmittelbare Praktikumsvorbereitungen in den Unterkursen. Des Weiteren gibt es unterschiedliche Regelungen bezüglich Ablaufveränderungen sowie im Umgang mit Hygienemaßnahmen. Ein nicht unerheblicher Teil des Unterrichts sowie Leistungsüberprüfungen findet weiterhin über verschiedene Online-Portale statt.

Mecklenburg-Vorpommern
Mecklenburg-Vorpommern, ein Bundesland OHNE Schulgeldfreiheit, würde im Falle einer Verlängerung der Ausbildung die Mehrkosten an die Auszubildenden weitergeben und verweist dabei z.B. auf KfW-Förderprogramme. Änderungen in den Ausbildungsabläufen sind jedoch vorerst nicht geplant - man würde eher von der Härtefallregelung Gebrauch machen, die eine höhere Fehlzeitquote ermöglicht. Maßnahmen für digitale Unterrichtsgestaltung wurden vom Landesministerium vorgegeben und müssen mit entsprechenden Umsetzungskonzepten von den Schulen entwickelt und vorgelegt werden. Einige Schulen werden vom Land mit kostenlosen COVID-Schnelltests versorgt.

Schleswig-Holstein
In Schleswig-Holstein erhalten die Schulen vom Ministerium die Möglichkeit, selbstständig entscheiden zu können, welche der Maßnahmen notwendig sind. Es gibt auch die Zusage, die Schulen im Falle einer möglichen Verlängerung der Ausbildungszeit finanziell entsprechend zu unterstützen. Weiterhin machen verbreitet Praktikumseinrichtungen Gebrauch von ihrem Hausrecht und lassen keine Auszubildenden in ihre Häuser. Auch im Ablauf der stattfindenden Examina gab es bereits den Tausch von praktischer und theoretischer Prüfung, um ausreichende praktische Prüfungsmöglichkeiten an Patienten/Klienten erhalten zu können.

OG / physio.de




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