Zurück zur Normalität – Das ändert sich ab 1. Juli 2020 39

Die Krankenkassenverbände und der Spitzenverband der Krankenkassen (GKV-SV) passen ihre Empfehlungen erneut an.

27.06.2020

Im Zuge der COVID-19 Pandemie galten zahlreiche Ausnahmeregelungen für die Heilmittelerbringung. Da die Infektionszahlen konstant abklingen, werden viele dieser Regelungen nun wieder aufgehoben. Dies gilt insbesondere für:

  • • Videotherapie
    • Fristen für Behandlungsbeginn und Therapie-Unterbrechung
    • Änderungen auf dem Rezept
Weiterhin gültig bleiben die Regelungen für Hygienemehrbedarfe.

Videotherapie
Etliche Praxen nutzten die Möglichkeit, PatientInnen digital über Videotherapien zu versorgen. Doch die Möglichkeiten zur Videobehandlung laufen nun am 30.06.2020 aus und sind dann nicht mehr gültig.

Was in diesem Zusammenhang allerdings für Unverständnis sorgt, ist, dass ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen auch im dritten Quartal weiterhin Videosprechstunden abrechnen dürfen. Dr. Roy Kühne (CDU), Bundestagsabgeordneter und Physiotherapeut spricht von einer „Ungleichheit in der Gesundheitsversorgung“. In Zeiten einer immer noch andauernderen Pandemie, sei es eindeutig der falsche Schritt, Videosprechstunden für Heilmittelerbringer nicht mehr zu erlauben. Zudem sollte die Corona-Krise auch als Chance begriffen werden, nötige (digitale) Innovationen in der Regelversorgung umzusetzen.

Von Seiten der Verbände heißt es, sie setzten sich dafür ein, dass die Videotherapie als Behandlungsoption in den neuen Rahmenvertrag (voraussichtlich gültig ab 1.10.2020) aufgenommen wird.

Fristen für Behandlungsbeginn und Therapie-Unterbrechung
Ebenfalls zum 30.06.2020 endet die Aussetzung der Prüfung von Unterbrechungsfristen, welche für Behandlungen ab dem 17.02.2020 galten. Ab dem Ausstellungsdatum 01.07.2020 gelten wieder die regulären Vereinbarungen für Unterbrechungen gemäß §16 Absatz 3 der Heilmittel-Richtlinie.
Ebenso gilt für alle ab dem 01.07.2020 ausgestellten physiotherapeutischen Verordnungen wieder die reguläre Frist für den Behandlungsbeginn von 14 Kalendertagen.
Update: Der G-BA hat am 29.6. beschlossen, dass die Fristen für Behandlungsbeginn und Therapie-Unterbrechung nun doch 28 Tage betragen (also nicht 14 Tage). Dies wird auch dauerhaft so bleiben.

Änderungen auf dem Rezept
Auch für die Verordnungsänderungen werden die Ausnahmeregeln aufgehoben. Für Verordnungen, die vom 18.02.2020 bis 30.06.2020 ausgestellt wurden, konnten die Leistungserbringer bei Feststellung einer nicht richtlinienkonformen Ausstellung selbstständig Änderungen vornehmen (wir berichteten). Ab dem 01.07.2020 (bezogen auf das Änderungsdatum) müssen Änderungen und Ergänzungen in der Regel durch den verordnenden Arzt oder Ärztin gegengezeichnet werden.

Ausstellen von Folge-VO und VadR nach telefonischer Anamnese
In die alleinige Regelungskompetenz des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) fallen die Sonderbestimmungen zum Ausstellen von Folgerezepten und Rezepten außerhalb des Regelfalles.
Diese Bestimmungen besagen, dass ein Arzt bis 30.6.2020 ein solches Rezept auch auf Grund einer rein telefonischen Anamnese ausstellen darf. Bislang hat sich der G-BA noch nicht bzgl. einer Verlängerung dieser Bestimmung geäußert. Es wird aber allerorts davon ausgegangen, dass auch diese Regelung zum 30.6. auslaufen wird.

Hygienepauschale
Unverändert bleibt die Regelung für erhöhte Hygienemaßnahmen. Alle zugelassenen Leistungserbringer können bis zum 30.09.2020 unter der Positionsnummer X9944 1,50 € je Verordnung mit den jeweiligen gesetzlichen Krankenkassen für den Hygienemehrbedarf abrechnen. Dies gilt allerdings nur für Verordnungen, die im Zeitraum vom 05.05.2020 bis 30.09.2020 erstmals zur Rechnungsstellung eingereicht werden. Für Verordnungen, die vor dem 05.05.2020 eingereicht wurden, erfolgt keine Nachberechnung.

Rettungsschirm
Ebenfalls am 30.6.20 endet für alle Praxisinhaber die Möglichkeit, Zuschüsse aus dem Rettungsschirm zu beantragen.
Wer den Zuschuss noch nicht beantragt hat, sollte sich jetzt sputen. Der Zuschuss muss nicht zurückgezahlt werden, ist unbürokratisch und schnell beantragt. Am einfachsten bewerkstelligen lässt sich der Antrag über das eigens von physio.de entwickelte Online-Formular.

Hier finden Sie den aktuellen Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) und die ausführlichen Empfehlungen für den Heilmittelbereich der Krankenkassenverbände und des Spitzenverbandes der Krankenkassen.

Bleiben Sie gesund!

Claudia Czernik / physio.de


Update 30.6.2020: Der G-BA hat am 29.6. beschlossen, dass die Fristen für Behandlungsbeginn und Therapie-Unterbrechung nun doch 28 Tage betragen (also nicht 14 Tage). Dies wird auch dauerhaft so bleiben.




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